„Jurassic Alb“

(SWR 27.4.98, 27 mn.)

The Lias limestone on the Alb mountain in Southern Germany is opening a window into the jurassic age – where marine dinosaurs travelled the seas and giant sea lilies floated on driftwood. Later this limestone is used as an energy source, and also has been considered by Hitler as a resource for World War II. 27 mn., 1998, author and director: Valentin Thurn, produced and financed by SWR, broadcasted on SWR.

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Die Gesteine der Schwäbischen Alb wurden im Jura-Zeitalter in einem flachen, tropischen Meer abgelagert. Deshalb findet man heute dort vor allem Fossilien von Meeressauriern, aber auch von Flugsauriern, die von der nahen Küste auf das Jura-Meer hinausflogen, um dort Fische zu fangen.

Schwäbische Saurier

Besonders gut erhalten sind die Saurier-Fossilien im Ölschiefer, der vom Jura-Meer vor rund 190 Millionen Jahren abgelagert wurde. Die Gesteinsschicht liegt am Fuße der Schwäbischen Alb. Der Ölschiefer wird auch zur Zement-Herstellung und Energiegewinnung abgebaut. Der größte Steinbruch liegt bei Dotternhausen in der Nähe von Balingen. Zwei Präparatoren und einen Paläontologen hat dort das Zementwerk Rohrbach angestellt, um die wertvollsten Fossilien vor dem Bagger zu retten. Ihr Lager ist übervoll, Tausende von Fossilien warten auf die Präparation.

Eine Versteinerung entsteht

Warum sind die Saurierknochen so gut erhalten? Zu Beginn des Jura-Zeitalters, im Schwarzjura oder Lias, war Süddeutschland von einem flachen Meer bedeckt. Das Leben spielte sich in den oberen, sonnendurchfluteten Wasserschichten ab. Der Meeresgrund hingegen war eine lebensfeindliche Zone, nahezu frei von Sauerstoff. Giftiger Schwefelwasserstoff ließ hier kaum Bodenleben zu. Wenn nun ein Saurier starb und sein Kadaver zu Boden sank, konnte er nicht von Aasfressern vertilgt werden. Auf dem Meeresboden lebten noch nicht einmal Verwesungsbakterien. Es gab nur Fäulnis-Bakterien, die Haut und Weichteile in teerähnliche Kohlenwasserstoffe umwandelten. Die Knochen aber wurden unbeschädigt im Faulschlamm eingeschlossen. Manche sind heute versteinert, die Knochensubstanz wurde durch einsickernde Mineralien ersetzt. Manchmal aber sind sogar noch die Original-Knochen erhalten.

Überraschungseier

Im Schwarzjura findet man die Fossilien häufig in Gesteinsknollen, Laibstein genannt, weil sie aussehen wie Brotlaibe. Laibsteine bestehen aus massivem Kalk, der sich rund um Tierkadaver ansammelte, weil der im Meerwasser gelöste Kalk durch den Fäulnisprozess ausgefällt wurde. In Innern der Laibsteine findet man häufig versteinerte Urtiere. Der Präparator muss das harte Überraschungsei ganz vorsichtig knacken, denn er weiß nicht, wo genau sich die Versteinerung befindet.

Kinder suchen Saurierknochen

In den Ölschiefer-Steinbrüchen bei Holzmaden können Kinder selbst auf die Suche gehen. Sozusagen mit Fossilien-Garantie, denn hier gibt es so viele Versteinerungen, dass man mit Hammer und Meißel garantiert etwas findet. Am häufigsten sind die Ammoniten aus der Familie der Tintenfische, damals bevölkerten wohl viele Millionen das Jura-Meer. Viele Kinder halten sie für Schnecken, wegen ihrem gewundenen Gehäuse. Heute sind die Ammoniten vollständig aus den Weltmeeren verschwunden. Nur ein Verwandter hat überlebt: Der Nautilus. Dieses lebende Fossil schwebt im Meer mit Hilfe von Ballast- und Auftriebs-Kammern in seinem Gehäuse, ähnlich wie ein U-Boot. Um nach oben zu steigen füllt der Nautilus sein Gehäuse mit Gas, um abzutauchen mit Wasser. Ähnliche Gehäusekammern hatten auch die Ammoniten.

Mit Schwarzpulver und Bohrmeißel

Die Ölschiefer-Steinbrüche in Holzmaden sind kleine Ein-Mann-Betriebe. Zum Beispiel der Steinbruch von Kurt Kromer. Er hat keinen einzigen Angestellten. Ganz alleine, nur mit Hilfe seiner Maschinen, birgt er tonnenschwere Ölschiefer-Platten, aus denen vor allem Tische hergestellt werden. Zunächst füllt Kurt Kromer Schwarzpulver in ein Bohrloch. Per Kabel zündet er dann die Explosion - aus sicherer Entfernung. Eine kleine Sprengladung, der Gesteinsblock soll schließlich nicht zerbröseln. Die Ölschieferplatten werden von Hand gespalten, vorsichtig, um die Versteinerungen nicht zu zertrümmern. Manchmal helfen ihm auch Fossilien-Liebhaber, die ihren Urlaub im Steinbruch verbringen.

Urzeit-Puzzle

Wenn die Versteinerungen besonders groß oder wertvoll sind, holt Kurt Kromer Hilfe aus dem nahegelegenen Museum Hauff. Dann beginnt das Puzzlespiel: Der Präparator des Museums versucht die Saurierknochen wieder zusammenzufügen und so zu markieren, dass nichts verloren geht. In der Werkstatt legt der Präparator dann mit dem Sandstrahlgebläse die Versteinerung frei. An einem großen Ichtyosaurier muss er einige Jahre arbeiten.