„Die Story: Tod am Gletscher –
wer ist schuld am Tunnelbrand von Kaprun?“

(WDR 17.6.02, 45 Min.)

Die Uhren, die bei den 150 verkohlten Leichen gefunden wurden, zeigen alle dieselbe Zeit: 9 Uhr 11. Der Brand muss sich in dem engen Tunnel so blitzartig ausgedehnt haben, dass die Fahrgäste der Kapruner Gletscherbahn auf einen Schlag erstickten und verbrannten - auch diejenigen, die bis zu 142 Meter auf der Nottreppe nach oben rannten.
Wie kam es zu dem Blitzbrand, bei dem nur zwölf Fahrgäste überlebten, weil sie die Scheiben mit ihren Skistöcken durchschlugen? WDR-Autor Valentin Thurn sprach mit Überlebenden, die von zwei Explosionen berichten. Er besichtigte den Unglückszug und fand einen runden Stahltank, den die Wucht einer Explosion zerbarst. Er enthielt Hydrauliköl für die Notbremse. Die Gletscherbahn selbst hat mit einem Brand überhaupt nicht gerechnet, wie ihr technischer Direktor erklärte. Deshalb gab es in den Fahrgastabteilen weder Nothämmer noch Feuerlöscher, und im Tunnel weder Notbeleuchtung noch Entlüftung. Die Gletscherbahn schiebt die Verantwortung auf den Hersteller der Seilbahn, der einen fehlerhaften Heizlüfter und eine Karosserie aus Plastik einbaute. Der wiederum schiebt die Schuld auf den TÜV, der den Brandschutz nicht prüfte. Dieser seinerseits schiebt die Schuld auf das Verkehrsministerium, das vergaß, entsprechende Vorschriften zu erlassen. Ein System der Schlamperei. Bei dem gut verdient wird: Dieser Winter war ein Rekord-Winter, mehr Skifahrer als je zuvor machten in Österreich Urlaub. Auch in Kaprun scheint das Unglück vergessen, die Hotels sind ausgebucht, und die Skifahrer werden jetzt mit der eilig nach dem Unglück gebauten Gondelbahn auf den Gletscher befördert.
Beim Prozess gegen 16 Verantwortliche in Salzburg können die Angehörigen der Toten nach österreichischem Recht nur wenige Tausend Euro Schmerzensgeld erwarten. Der New Yorker Staranwalt Ed Fagan überzeugte die meisten von ihnen, deshalb in Amerika zu klagen. Der drohende milliardenschwere US-Prozess könnte ein Präzedenzfall für andere Großunfälle in Europa werden.

Buch und Regie: Valentin Thurn
Kamera: Harm Garlichs
Ton: Frank Sbitschka
Schnitt: Birge Griesenböck
Sprecher: Katja Ruppenthal, Henning Freiberg, Charly Wagner
Redaktion: Gert Monheim

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