„Papa liebt einen Mann –
Kinder und ihre homosexuellen Väter“

(ZDF 22.7.03, 30 Min., in der Reihe „37°“)

Christian (14) wurde von seiner Mutter grob vernachlässigt. Sein schwuler Onkel entführte ihn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion und rettete ihn so vor dem drohenden Kinderheim. Damals war er neun. Alles andere als begeistert, verbrachte er die ersten Wochen bei seinem neuen "Vater" und dessen Freund. Von seinen Klassenkameraden wurde er gehänselt, weil im Dorf alle wussten, dass Christian nun bei den beiden "Schwulen" wohnte. In dem kleinen Ort in der Eifel gibt es kein Verstecken, und Christian musste Farbe bekennen. Das fiel ihm
zunehmend leichter, weil sich seine beiden neuen "Eltern" rührend um ihn kümmerten, sodass sogar das zuständige Jugendamt von so viel Fürsorge und elterlicher Kompetenz beeindruckt war. Heute haben sich alle im Dorf schon fast an das etwas andere Familienmodell gewöhnt,
und Christian ist froh, bei seinem Onkel zu sein. Trotzdem ist für ihn mit seinen 14 Jahren klar, dass er sich auf jeden Fall mehr für Mädchen interessiert als für Jungen.
Bei Patricia war es ganz anders, denn die Ehe ihrer Eltern schien glücklich, als eines Tages, Patricia war damals zwölf, ihr der Vater erzählte, dass er sich scheiden lassen wollte. Nach 18 Jahren Ehe musste er erkennen, dass er seine immer stärker werdenden homosexuellen Neigungen nicht länger abtun konnte. Er hatte sich in einen Mann verliebt. Patricia war fassungslos. Dass sich ihr Vater aus einem solchen Grund von ihrer Mutter trennen wollte, war für Patricia nur schwer zu verkraften. Ihr glanzvolles Vaterbild brach von einem Tag auf den anderen zusammen. Fast ein Jahr lang verschwieg Patricia die "Schande", die ihr Vater über sie gebracht hatte. Ihre Schwester Carina sprach von Papas neuem Lebensgefährten Bernd sie bei ihren Freunden nur als "Bernadette", um nach außen den Schein zu wahren. Über ein Jahr verging, bis sie eines Tages vor Wut platzte, als Schulfreunde über Schwule herzogen. Aus ihrem Erklärungsnotstand, warum sie sich so engagierte, trat sie die Flucht nach vorne an und erzählte von ihrem Vater und seinem Freund. Fast alle Freunde hielten zu ihr. Auch Patricia änderte ihre Einstellung zum Vater allmählich. Die Schwestern zogen zum Vater und leben jetzt mit ihm und seinem Lebensgefährten in Köln.
Valentin Thurn erzählt, wie Jugendliche damit zurechtkommen, wenn Väter plötzlich ganz anders sind, als man es die ganze Zeit über angenommen hat und als es dem gängigen Rollenbild entspricht. Wie verändert sich die Beziehung zwischen Vater und Kind - wie verändert man sich selbst?

Video (ca. 10 min)


Buch und Regie: Valentin Thurn
Kamera: Hans Hausmann
Ton: Erik Ullrich
Schnitt: Katja Tornow
Sprecher: Josef Tratnik
Redaktion: Brigitte Klos
Eine Produktion der Valentin Thurn Film im Auftrag des ZDF

Weitere Informationen:
ZDF