Der Trail der Toros
Kampfstiere auf großer Wanderung

WDR, 10. Juli 2003, 22 Uhr

Im Mittelpunkt steht der Cowboy Gerardo und sein Arbeitgeber Cesar Chico. Er besitzt eine Herde Kampfstiere, die den Winter auf ihrer Farm in Andalusien verbringen, im Sommer aber, wenn in Südspanien die Hitze alles verdorrt, in die zentralspanischen Berge ziehen. Um sie zu führen heuert er jedes Jahr einen Trupp Cowboys an. Sie werden von Gerardo angeführt. Wir folgen der Stierherde auf der Wanderung 600 Kilometer quer durch Spanien folgen und erleben dabei den Zusammenprall des alten und des neuen Spanien: Gerardo und seine Cowboys treffen zum Beispiel auf Autobahnen, die die traditionellen Viehwanderwege durchschneiden und die sie mühsam umgehen müssen. Die Spanier aber sind begeistert von der Wiederbelebung der alten Tradition. Sie begrüßen die Cowboys wie Helden, wenn sie durch ihre Dörfer ziehen, denn Spaniens historische Identität ist eng mit den großen
Viehherden verknüpft: Der Ursprung der Cowboy-Kultur liegt in Spanien und wurde erst durch Kolumbus und seine Nachfolger nach Amerika gebracht. Auch der Stierkampf entstand auf der Viehweide, als Zeitvertreib für die Cowboys. Die toros bravos, wie die Spanier ihre Kampfstiere nennen, werden möglichst aggressiv gezüchtet. Im Alter von vier Jahren werden die mutigsten Bullen in die Stierkampf-Arenen verkauft, für bis zu 5000 Mark. Die Rinderrasse den Wandertrieb noch in den Genen. Cowboy Gerardo muss ihnen nicht zeigen, wo der Weg entlang führt. Schon Kilometer vor der nächsten Wasserstelle beschleunigt sich ihr Schritt, die Rinder wissen genau, wo das Wasser ist.

Video (ca. 5 min)

Eine Reportage von Valentin Thurn
Kamera: Freddy Waldner
Ton: Bastian Schumacher
Schnitt: Eva Elsner
Sprecher: Jochen Kolenda
Produktion: Christine Neuhalfen
Bettina Kapune
Redaktion: Hermann Feldhoff

Weitere Informationen:
WDR