Impfen –
Nur ein kleiner Nadelstich?

(ARTE, 27. November 2007, 21.40 Uhr)
Wiederholung: PHOENIX, 15. August 2008, 22.40 Uhr
Länge: 60 Minuten
Ein Film von Valentin Thurn und Sabine Goette

Die Erfindung der Impfstoffe ist eine der großen Erfolgsgeschichten der Medizin. Epidemien wie Pocken und Kinderlähmung, die die Menschen lange Zeit in Angst und Schrecken versetzten, konnten dank der Impfungen besiegt werden. Doch die Siege, die in der Geschichte der Medizin errungen wurden, waren nur selten ohne unerwünschte Nebeneffekte oder sogar Verluste zu haben. Auch wenn die Impfstoffe heute um ein vielfaches sicherer sind als noch vor 20 Jahren, besteht die Möglichkeit von Impfschäden noch immer. Die Gefahren durch Infektionskrankheiten, die durch Impfungen verhindert werden können, werden von Experten weitaus höher eingeschätzt. Die tödlichen Folgen der Masern sind ein Beispiel dafür. Und doch sind sie da: Folgeschäden, die zu Behinderung oder gar Tod führen.

Die Filmemacher Valentin Thurn und Sabine Goette spüren den Glanz- und Schattenseiten der Impfungen nach. Eine Reise in die Historie der Immunisierung ebnet den Weg zu den Schicksalen der Betroffenen, damals wie heute, und zu aktuellen, kontrovers geführten Debatten rund ums Impfen.
 
Familien aus Deutschland und Frankreich erzählen von beiden Seiten der Erfolgsmedaille: Was geschehen kann, wenn nicht geimpft wird, und wie auch eine Impfung das Leben dramatisch verändern kann. Der sechsjährige Micha ist dem Tod geweiht, da er sich im Alter von 5 Monaten in einer Kinderarztpraxis mit Masern ansteckte. Erst nach Jahren brach die Krankheit aus: SSPE, eine chronische Hirnentzündung und Folge der Masern, die mit Sicherheit zum Tod führt. Auch der kleine Joel ist betroffen. Während der größten Masernepidemie Deutschlands, die 2006 in Duisburg ausbrach, erkrankte er ebenfalls. Noch während der Dreharbeiten starb er. Madame Zanakolona aus Paris hingegen musste jahrelang kämpfen, damit der Hirnschaden, den ihr heute 15-jähriger Sohn nach einer Keuchhustenimpfung davontrug, gerichtlich anerkannt wurde. Der Impfstoff ist längst nicht mehr auf dem Markt, aber neue Impfstoffe mit möglichen Risiken drängen nach. Familie Schomaker jedenfalls ist überzeugt, dass der Sechsfach-Impfstoff, der vor 6 Jahren eingeführt wurde, Schuld am Tod ihres Sohnes war.

Der Gerichtsmediziner Prof. Randolph Penning hat in den letzten Jahren mehrere Kinder nach Sechsfachimpfung obduziert. Ergebnis: auffällige und besorgniserregende Hirnschwellungen. Auch der ehemalige Mitarbeiter des Paul-Ehrlich-Instituts und Insider Dr. Klaus Hartmann steht den neuen Kombinationsimpfstoffen äußerst kritisch gegenüber. Sind sie schuld am Tod der Kinder? Beweisen konnte es bislang niemand, aber die Kontroverse ist in Gang gesetzt. Wie offen muss über mögliche Folgeschäden berichtet werden, ohne Angst bei den Eltern zu schüren und damit niedrige Impfraten und die Rückkehr der Epidemien zu produzieren?

Die meisten Infektionskrankheiten haben ihre Bedrohung verloren, nicht zuletzt durch die Erfolge der Impfungen. Die Impfungen erscheinen deshalb vielen gar nicht mehr so wichtig. Manche Impfstoffe aber würden von vielen Menschen weltweit begrüßt. Wie beispielsweise der neue Impfstoff gegen Tuberkulose, der im Max-Planck-Institut in Berlin entwickelt wird. Millionen Menschen sind weltweit von der TB betroffen, resistente Erreger breiten sich immer mehr aus. Mit einer Impfung könnte Abhilfe geschaffen, so die Hoffnung der Wissenschaftler. Denn die TBC ist weiter auf dem Vormarsch.

Video (ca. 6 min)

Buch und Regie: Valentin Thurn und Sabine Goette
Kamera: Hans Hausmann, Rainer Speidel
Ton: Leif Hanisch, Harald Reichmann
Schnitt: Rainer Speidel
Produktion: Heike Kunze / telekult GmbH
Redaktion: Susanne Mertens
Eine Produktion von telekult Film- und Medienproduktion GmbH
im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit arte