„Ich bin Al Kaida“ -
Das Leben des Zacarias Moussaoui

(ARTE, 29.8.2006, 54 Min., 20.40 Uhr)

Zacarias Moussaoui ist der einzige Attentäter, der wegen der Anschläge am 11. September 2001 vor Gericht gestanden hat – es war ein Symbolprozess für die USA. Im Mai 2006 wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Bis an sein Lebensende soll er keinerlei Außenkontakte haben. Er ist lebendig eingesperrt.

Ist er der sogenannte 20. Attentäter, der ein Flugzeug in das Weiße Haus steuern sollte? Oder nur ein psychisch kranker Möchtegern-Verschwörer? Fest steht, dass er vier Wochen vor den Anschlägen auf das World Trade Center und auf das Pentagon verhaftet wurde, als er das Fliegen einer Boeing 747 erlernen wollte. Und fest steht auch, dass das FBI die Attentate vom 11. September hätte verhindern können, wären Moussaouis Notizbuch und Laptop rechtzeitig durchsucht worden.

Wie kommt ein junger marokkanisch-stämmiger Franzose dazu, sich Al Kaida anzuschließen und in Camps in Afghanistan zum Selbstmord-Attentäter ausbilden zu lassen? In seiner Jugend war er nicht religiös, er liebte Partys und seine Freundin, und manchmal trank er auch Alkohol – bis zu dem Tag, an dem er in London von radikalen Moslem-Predigern zum Djihad bekehrt wurde.

Seine Mutter Aïcha El-Wafi kämpfte während des Prozesses gegen die Todesstrafe für ihren Sohn. Am Rande der Gerichtsverhandlungen lernte sie in den USA Phyllis Rodriguez kennen, die Mutter von Greg, der in den Flammen des World Trade Center getötet wurde. Der Filmemacher Valentin Thurn zeigt in seiner Dokumentation die Entwicklung dieser außergewöhnlichen Freundschaft und zeichnet behutsam die Geschichte der zerrütteten Familie Moussaoui nach. Intensive Interviews mit Freunden und Familienangehörigen, unter anderem mit den beiden Schwestern Moussaouis, werden durch exklusives Bildmaterial ergänzt, das zum Teil noch nie gezeigt wurde – darunter ein privates Video des jugendlichen Zacarias.

Der Film wirft zum fünften Jahrestag der Attentate von New York einen neuen und unbekannten Blick auf einen jungen Franzosen aus Marokko, der durch seinen schwierigen Familienhintergrund und durch die Beeinflussung durch islamistische Kreise zu einem Todespiloten wurde, der letztlich nicht zum Einsatz kam. Er wirft aber auch ein erhellendes Licht auf das Verhalten Moussaouis während des Prozesses, sein Schuldeingeständnis, das er inzwischen wiederrufen hat, sowie auf die Rolle der Justiz in den USA und den Wunsch vieler Amerikaner, den einzigen Attentäter, der vor Gericht gestanden, auch zu verurteilen.

Nominiert für den Deutschen Fernsehpreis als "beste Reportage"

Video (ca. 10 min)

Trailer (ca. 3:30 min) (englisch)

Buch und Regie: Valentin Thurn
Co-author: Stephan Müller
Kamera: Boris Fromageot, Wolfgang Lehner
Ton: David Kammerer
Schnitt: Dorothee Plass
Recherche: Britta Dombrowe, Mathias Marx
englische Untertitelung: SUBS Hamburg, Katja Büssemeier
Redaktion: Sylvia Nagel
Leitung: Ulrike Dotzer
Gerichtszeichnungen: Art Lien
Al-Qaida-Videos: Terrorisc
Flugschule: Albatros Air, Bonn
Eine Produktion von Oskar Film
im Auftrag des NDR in Zusammenarbeit mit Arte

Weitere Informationen:

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Filmfestivals:

Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig) 2006, Leipzig, Deutschland

Basel_Karlsruhe Forum 2007 (BaKaFORUM), Basel, Schweiz

Gold Panda Awards 2007 , Sichuan TV Festival, China