„Die Schwabenkinder“ -
Kinderarbeit und Kindermärkte in Oberschwaben

5. Februar 2000, 19.15 –19.45 Uhr Südwest 3 (SWR), Reihe „Landesschau unterwegs“

„Schwabenkinder“ wurden sie in der Schweiz und Österreich genannt. Jedes Jahr im März wanderten sie ins Schwabenland, um sich dort als Hütebuben und –mädchen zu verdingen. Ihr Alter: Sieben bis 14 Jahre. Sie mussten hart arbeiten, während die gleichaltrigen deutschen Kinder zur Schule gingen. Jedes Jahr kamen mehrere tausend „Schwabenkinder“ per Dampfschiff über den Bodensee und wurden auf regelrechten Kindermärkten, zum Beispiel in Friedrichshafen, sie an die Bauern vermietet. Es war die pure Not, die ihre Eltern dazu zwang, sie acht Monate lang zur Saisonarbeit zu schicken. Sie stammten aus armen Bergdörfern in Vorarlberg, Tirol und Graubünden. Für die einen war es der ersehnte Abschied vom Hunger, für die anderen war es ein Sklavendasein, ausgeliefert der Willkür des Arbeitgebers. Die Schwabenkinder-Wanderungen gibt es nachweislich seit dem 16. Jahrhundert. Sie endeten erst in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts. Schilderungen noch heute lebender „Schwabenkinder“ an ihren Dienstorten in Oberschwaben oder zuhause in den Bergdörfern bilden den Kern des Films.

Buch und Regie: Valentin Thurn
Kamera: Joachim Priem, Wolfgang Freund
Schnitt: Jutta Gutschmidt
Redaktion: Monika Buscher
Dank an Paul Zangerl, Dr. Sebastian Marseiler, Claudia Lang, Dorothee Breucker, Stadtarchiv Ravensburg