„Planet Wissen: Die Dinosaurier“

(SWR / WDR / BR alpha 31.1.03, 60 Min.)

Über 160 Millionen Jahre dominierten die Dinosaurier das Leben auf der Erde. Dann verschwanden sie in einem Zeitraum von wenigen hunderttausend Jahren von unserem Planeten, und mit ihnen mehr als die Hälfte der damals lebenden Tiere. Warum starben sie aus? Und warum so viele Arten auf einmal? Viele Wissenschaftler vermuten, dass ein gewaltiger Meteoriteneinschlag das Massensterben ausgelöst hat. Andere glauben eher an eine Reihe von verheerenden Vulkanausbrüchen.

Dino-Dämmerung

Das Ende der Dinosaurier kam plötzlich, glaubt man der bekanntesten Theorie. Vor 65 Millionen Jahren kollidierte ein Meteorit aus dem Weltall mit der Erde. Als der zehn Kilometer große Brocken auf die Erdoberfläche prallte, war seine Aufschlagskraft 10.000 Mal so stark wie die Explosion aller heute existierenden Atomwaffen. Er schleuderte Ruß und Staub in die Atmosphäre. Folge: Der Himmel verdunkelte sich, das Klima kühlte ab und die kaltblütigen Dinosaurier erfroren, oder ihre Eier konnten sich in dem kühlen Klima nicht mehr entwickeln.

Der Killer-Meteorit

Reste des Killer-Meteoriten wurden an der Küste der mexikanischen Halbinsel Yucatan gefunden – vom 200 Kilometer breiten Krater ist allerdings heute nichts mehr zu sehen, weil er von jüngeren Gesteinsschichten überdeckt wurde. Dass dieser Meteorit das Weltklima veränderte, scheint das Metall Iridium zu beweisen, auf der Erde sehr selten, aber oft in Meteoriten enthalten. Iridium wurde in Gesteinsschichten rund um den Globus gefunden, und zwar genau an der Grenze zwischen Kreidezeit und Tertiär.

Der Mega-Vulkan

Das seltene Metall könnten allerdings auch aus einer anderen Quelle stammen, denn Iridium wird auch von Vulkanen ausgestoßen. Und davon geht die zweite Theorie zum Aussterben der Dinosaurier aus, die in der Wissenschaft zunehmend Anhänger findet: Lang anhaltende Vulkanausbrüche schleuderten gewaltige Mengen Schwefel, Kohlendioxid und Staub in die Atmosphäre und sorgten für eine globale Verdunkelung und Abkühlung. Standort des Mega-Vulkans: Zentralindien. Dort findet man heute das riesige Hochland von Dekkan, dessen Vulkangestein genau 65 Millionen Jahre alt sind.

Weltweites Massensterben

Für die Vulkan-These spricht, dass andere bekannte Einschläge von Meteoriten wie zum Beispiel im Nördlinger Ries (Bayern) kein weltweites Massensterben auslösten, sondern nur kurzfristig und regional begrenzt Verwüstungen auslösten. Vulkane hingegen könnten über mehrere 100.000 Jahre eine stetige Staub- und Gasquelle gewesen sein. Schließlich starben die Dinosaurier nicht plötzlich aus, wie bei einem Meteoriten-Einschlag zu erwarten, sondern in einem langen Zeitraum von über 500.000 Jahren, etwa eben so lang wie die Vulkane in Indien aktiv waren. In der Erdgeschichte gibt es weitere Beispiele für apokalyptische Vulkanausbrüche, zum Beispiel am Ende des Perm, als das riesige Vulkanplateau in Nordsibirien entstand. Damals starben die Trilobiten aus, eine Krebs-Familie, die zuvor praktisch die Weltmeere beherrschte.

Die Lust an der Apokalypse

Dass der Killer-Meteor so populär ist, liegt wohl daran, dass er spektakulär ist: Im Zuge der Dino-Mode ließ sich die Katastrophen-Theorie einfach besser vermarkten, zum Beispiel im Dinosaurier-Film von Walt Disney. Da siegt die Lust des Menschen an der Apokalypse.

Wechselwarme Echsen

Warum die Klimakatastrophe am Ende der Kreidezeit andere Tiergruppen wie die Säugetiere überlebt haben, aber kein einziger Dinosaurier, wissen die Forscher letztendlich noch nicht. Früher nahmen sie an, dass die Dinosaurier erfroren, weil sie wechselwarm waren, das heißt, ihre Körpertemperatur war von der Temperatur ihrer Umgebung abhängig. Die Säugetiere hätten demnach überlebt, weil sie warmblütig waren. Doch heute weiß man, dass diese Annahme mehr als fragwürdig ist. Schließlich haben auch andere wechselwarme Echsen die Kreidezeit überlebt. Und am heutigen Kältepol der Erde in Sibirien ist die einzige dort lebende Wirbeltier-Art ein Salamander – wahrhaft kein Warmblütler. Außerdem gibt es Hinweise, dass einige Dinosaurierarten warmblütig gewesen sein könnten.

Menschen oder Dinos

Das führt zu der Frage: Was wäre eigentlich passiert wenn die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren nicht ausgestorben wären? Der Paläontologe Dr. Michael Maisch von der Universität Tübingen vermutet, dass es in diesem Fall heute wohl keine Menschen geben würde. Denn: "die Dinosaurier hatten über 100 Millionen Jahre die Nase vorn und ließen die Säuger nicht hochkommen." Das Fazit des Wissenschaftlers: Wären sie nicht ausgestorben, dann würden heute vielleicht intelligente Dinos die Welt beherrschen, und nicht die Menschen.

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