Ralf und Andrea mit ihrem Kind Inge

Das dritte Geschlecht

ZDF, Mona Lisa, 4. Oktober 2009, 18 Uhr, von Dr. Britta Dombrowe

Ein bis zwei Kinder kommen täglich in Deutschland mit uneindeutigem Geschlecht zur Welt. Ärzte raten den Eltern nach wie vor, in so einem Fall das Baby umoperieren zu lassen. 90 % werden zu Mädchen gemacht, weil dies einfacher ist. Dazu empfehlen sie Hormongaben mit oft dauerhaften Nebenwirkungen: Viele „Hermaphroditen“ leiden unter Depressionen oder Knochenschwund. Insgesamt leben hierzulande rund 100.000 „Zwitter“.
Wir verfolgen den Kampf einer „Hermaphroditin“ gegen den Arzt, der einst ihre Geschlechtsorgane verstümmelte. Und den Alltag einer Familie, die sich dazu entschied, ihr „Zwitter“-Kind so zu lassen wie es ist.
Christiane Völling erfuhr erst mit 46, warum sie sich immer fremd im eigenen Körper gefühlt hatte. Bei der Geburt dachte man: ein Junge mit einem kleinen Penis. Damals hieß sie noch Thomas. Erst mit 17 fanden die Ärzte heraus, dass sie zwei X-Chromosomen hat. Ärzte und Eltern waren sich einig: Bloß nichts sagen. Unter dem Vorwand eines Tumors operierte man ihr Gebärmutter und Eierstöcke heraus. Erst nach dem Tod ihrer Eltern erfährt Christiane die Wahrheit, verklagt nun ihren damaligen Arzt. Ihr Prozess wird zum Katalysator für andere „Zwitter“, die nun zum ersten Mal gegen Zwangsoperationen protestieren.
„Bei der Entbindung sagte mir die Hebamme, es ist ein kleiner Junge!“ erinnert sich Andrea, „als dann mein Mann ins Krankenhaus kam, war er ganz durcheinander, denn ihm hatte der Arzt gesagt, es sei ein kleines Mädchen!“ Nach einiger Überlegung kommen Andrea und Ralf zu dem Schluss, das Kind nicht operieren zu lassen. „Wir ziehen unsere kleine Inge als Mädchen auf, aber es kann gut sein, dass sie sich in der Pubertät eher zum jungen Mann entwickelt. Vielleicht will sie später als Mann leben und soll das dann selbst entscheiden können.“

Homepage von Mona Lisa (hier auch als Video abrufbar)